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" Ich kenne den Mörder 
 
Meine Tränen werden zu ihm gehen, 
ich werde mich nicht schämen, 
vor ihm zu weinen.
Ich sehe sein Gesicht, das Gesicht des Mörders.
Als Kind hat er immer rote Augen gehabt. 
Ich kenne den Mörder meiner Mutter, 
wir haben im Sand zusammen gespielt.
Als Kind war er ein netter Junge,
Ich spielte gern mit Jungen,
lieber als mit Mädchen.
Die Zeit zum Spielen ist vorbei,
die Welt ist anders geworden,
Sekimonyo hat Menschen ermordet.
Statt mit seinen Kindern Fussball zu spielen,
hat er in seine rechte Hand eine Axt genommen,
er hat meine Mutter ermordet,
meinen Bruder, meine Freunde.
Sekimonyo hat T-Shirts aus Deutschland bekommen,
meine Mutter hat ihm  Geschenke gebracht.
Ich habe Seife, Creme Puder für seine Frau geschickt.
Schokolade, Kekse und Hefte für seine Kinder.
Seine Frau und seine Kinder haben wohl gesehen,
wie er meine Familie abgeholt hat,
wie er die Alten und die Jungen abgeholt hat.
Ob sie geweint haben? 
Ich will schreien, wo soll der Schrei hin?
Wer hört meine Stimme?
Ich sehe diese Schweigen,
auf dem Weg zum Massengrab.
Ich sehe diese Schweigen, es ist schrecklich.
Ich möchte versuchen es zu brechen.
Dieses Schweigen.
Wer kann meine Trauer empfinden,
wer meine Verzweiflung fühlen?
Meine Wut, meinen Hass - und noch mehr,
meinen Durst nach Rache verstehen?
Ich will schreien,
wo soll der Schrei hin?
Sekimonyo?

... "

C 1999 Eugenie Musayidire
C 1999-2007 Horlemann
 
 


Ich will schreien, wo soll der Schrei hin - Sekimonyo?